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Jahrestagung 2008
Arbeitskreis Deutsche England-Forschung: Jahrestagung
2008
German Association for the Study of British History and Politics
Cultural Industries and Cultural Politics: Britain 1750-2000
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Exposé für die Jahrestagung vom 2.-4. Mai 2008
Spätestens seit dem 18. Jahrhundert, als sich die Marktgesellschaft mit
Macht etablierte und die Urbanisierung die Nachfrage nach Kulturangeboten
wachsen ließ, entwickelte sich das öffentliche Kulturleben in Großbritannien
auf kommerzieller Basis. Die bildende Kunst, der Theater-, Opern- und
Konzertbetrieb, Sportorganisatoren und das Verlagsgewerbe arbeiteten fortan
in enger Kooperation mit der Presse sowie der Werbe- und Konsumgüterindustrie,
und professionelle Kräfte organisierten die Angebote zum Zweck des Profits.
Diese "cultural in-dustries" bedienten einen zusehends größeren Anteil
der Nachfrage nach Kulturangeboten, die sie ihrerseits auch aktiv zu vergrößern
suchten. Alternative Anbieter wie der Hof, die Kirche, der Adel und städtische
Obrigkeiten, die potentiellen Organisatoren einer öffentlichen Kultur-politik,
konnten nur noch indirekt Einfluss nehmen. Die Tagung behandelt das Spannungsverhältnis
von "cultural industries" und "cultural poli-tics" exemplarisch für die
Bereiche Sport und Musik. Sie unterliegt einem zweifachen Gliede-rungsprinzip.
Zum einen werden die beiden Bereiche in ihrer Entwicklung über die Zeit
ver-folgt. Zum anderen werden für grob abgesteckte Epochen jeweils unterschiedliche
gesell-schaftliche und politische Funktionen der "cultural industries"
thematisiert: Für das 18. Jahr-hundert geht es um den Beitrag zur Geselligkeit
der Ober- und Mittelschichten, für das 19. Jahrhundert um die allgemeinen
Kräfteverhältnisse zwischen Staat und Gesellschaft; dabei wird insbesondere
auch das Konkurrenzverhältnis von kommerziell und privat (durch Klubs,
Vereine und Mäzene) angebotener Kultur berücksichtigt. Für das 20. Jahrhundert
werden Sport und Musik als Business betrachtet. Ein Ausblick auf das beginnende
21. Jahrhundert behandelt schließlich die mit dem Ziel einer ökonomischen
Modernisierung unternommenen Versuche von New Labour zur politischen Steuerung
der sog. "creative industries", die man vor dem Hintergrund der säkularen
Entwicklung als eine durchaus konsequente Indienstnah-me privater kommerzieller
Initiativen für eine staatliche Kulturpolitik betrachten kann. International
vergleichende Perspektiven sind angestrebt. Allerdings ist der Forschungsstand
außerhalb Großbritanniens derzeit nicht so, dass alle ReferentInnen für
ihre Themen schon Vergleiche ziehen könnten. Der von der Tagung zu erwartende
Beitrag zur Forschungsdiskus-sion liegt vielmehr darin, dass für Großbritannien,
ein auf dem Gebiet der "cultural industries" vergleichsweise fortgeschrittenes
und zudem gut untersuchtes Land, Periodisierungen, Pro-blemzusammenhänge
und die Handlungschancen der Akteure exemplarisch identifiziert wer-den
können, so dass geeignete Anknüpfungsmöglichkeiten für vergleichende Forschungen
zu anderen Ländern hervortreten. Eine Anschlusskonferenz, in der solche
vergleichenden Fragen stärker im Mittelpunkt stehen, wird vorauss. im
Februar 2009 in London stattfinden. Auf dieser Konferenz soll darüber
hin-aus auch die besondere Ökonomie der "cultural industries" behandelt
und für die historisch-politische Forschung fruchtbar gemacht werden.
Nachtrag: Es wird noch ein Experte/eine Expertin für ökonomische Aspekte
des britischen Music-Business im 20. Jahrhundert gesucht. Meldungen bitte
an christiane.eisenberg@rz.hu-berlin.de oder gestrich@ghil.ac.uk.
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